Kategorien und Kategorienwissenschaft

Eine kurze Einführung

Was ist das Brentano-Institut für angewandte Kategorienwisenschaft?

Das Brentano-Institut ist eine von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen gegründete Einrichtung, die die angewandte Kategorienwissenschaft für Themen von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung anwenden will. Sie behandelt Themen wie Werte in Pflegeberufen, Anthropologie des Fremden oder Studien zum Werteklima.

Was sind Kategorien?

Unter Kategorien versteht man in der Tradition die obersten Gattungen. Es liegt hierbei die Vorstellung zugrunde, dass sich Begriffe nach Gattung und Art hierarchisch anordnen lassen.

Aristoteles erkannte, dass es keine oberste Gattung gibt, unter die alle Begriffe fallen. So gibt es keinen gemeinsamen Oberbegriff zu Dackel und Röte. Oberste Gattung, und damit Kategorie, zu Dackel ist nach traditioneller Auffassung Substanz; oberste Gattung zu Röte ist Qualität.

In der Tradition herrschte die Vorstellung, dass der ganze Kosmos eindeutig nach kategorialen Formen aufgebaut ist. Die Kategorienlehre ist daher gewissermaßen das Eingangstor zur Ontologie und Logik.

Die Vorstellung, dass die Welt ein Kosmos ist, der in sich eine klare begriffliche Gliederung besitzt, wird heute kaum noch vertreten. Auch Realisten gehen im Allgemeinen davon aus, dass Begriffe an die Welt herangetragen werden und dass daher die Welt unterschiedlich beschrieben werden kann. So kann etwa ein Baum im Linneeschen System klassifiziert werden, er kann aber auch als Wirtschaftsgut oder als geografisches Merkmal beschrieben werden. Die Begriffe, die jeweils verwendet werden, unterscheiden sich kategorial. ‚Kategorie’ meint heute daher vielfach die Hinsicht, in der etwas beschrieben werden kann. Beruf, Geschlecht, Hobby sind in diesem Verständnis Kategorien, da ein Mensch, wenn man ihn unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, unterschiedlich charakterisiert wird. Vielfach wird der Ausdruck ‚Kategorie’ synonym zu ‚Typ’ oder ‚Kode’ verwendet.

Weshalb ist die Beschäftigung mit Kategorien wichtig?

Die Kategorien, die jemand verwendet, bestimmen seine Sichtweise. Probleme, die mit den eingespielten Verfahren nicht lösbar sind, können mit einer kategorialen Zugangsweise erfolgreich angegangen werden. Denn dies heißt nichts anderes, als eine andere Sichtweise zu übernehmen. In dynamischen Umgebungen können eingespielte Denkmuster, selbst wenn sie lange Zeit erfolgreich waren, leicht in eine Sackgasse führen, wenn sie nämlich für neue Situationen nicht angemessen sind. Bei Problemlösungen, bei denen herkömmliche Verfahren scheitern, in Bereichen wie dem Change Management, oder auch zur Entfaltung kreativen Potentials ist ein kategorialer Zugang erfolgreich.

Was versteht man unter ‚Kategorienwissenschaft’?

Mit Kategorien befassen sich ganz unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen: die Psychologie, die Linguistik, die Informatik, die Philosophie, die Neurowissenschaften, die Wirtschaftswissenschaften und viele andere. Die Untersuchungen zur natürlichen Kategorisierung und den Denkweisen von Menschen haben in den letzten Jahren gezeigt, dass die gängigen Vorstellungen nicht angemessen sind. Es ist daher eine wichtige Aufgabe, ein differenziertes Bild zu entwerfen. Da die Kategorienthematik von einer Vielzahl von Disziplinen behandelt wird, ist eine interdisziplinäre Bewegung erforderlich. Für solch eine Bewegung gibt es Vorbilder, insbesondere die Semiotik und die Kognitionswissenschaft. Es sind keine Einzelwissenschaften, die neben den anderen Wissenschaften stehen, sondern gewissermaßen Wissenschaften zweiter Stufe, die durch die Kooperation von Einzelwissenschaften und philosophischen Klärungsinstanzen gebildet werden. 

Tatsächlich befasst sich die Semiotik in ihrem Kerngebiet mit den Kategorien; sowohl die amerikanische wie die europäische Tradition der Semiotik sind aus dem Unternehmen hervorgegangen, ein neues Kategoriensystem zu entwerfen. In der Kognitionswissenschaft werden Kategorien ebenfalls ausfühlich behandelt, und zwar unter dem Titel ‚Repräsentationen’. Da aber sowohl die Semiotik wie die Kognitionswissenschaft auch sehr viele andere Themen behandeln, und sie dadurch eine kaum mehr zu übersehende Breite eingenommen und an Profil verloren haben, ist eine sich auf die Kategorien konzentrierende Bewegung ein überaus wichtiges Unternehmen. Es wird von dem Brentano-Institut für angewandte Kategorienwissenschaft vorangetrieben.

Was ist angewandte Kategorienwissenschaft?

Während die ‚reine’ Kategorienwissenschaft Gesetzmäßigkeiten zum Zwecke der Theoriebildung erforscht, befasst sich die angewandte Kategorienwissenschaft mit Anwendungsproblemen, bei der sie die kategoriale Forschung nutzt. Zur angewandten Kategorienwissenschaft gehören auch Verfahren zu Datenerhebung, die für die kategoriale Zugangsweise relevante Information liefern müssen. Dabei spielen qualitative Verfahren eine besondere Rolle. Mit sci:vesco können wir zudem auf ein etabliertes Verfahren zurückgreifen, welches die inhaltliche Tiefe eines Interviews mit der faktischen Klarheit eines Tests verbindet.